Interview vom 20.7.2008 anlässlich des TREC in der Eckmühle zum Thema:

TREC in den Niederlanden - TREC in Deutschland, welche Unterschiede, welche Gemeinsamkeiten gibt es?

Lotje Moerdijk, Präsidentin TREC-Niederlande
Hanspeter Hartmann, Bundesvorsitzender der VFD
Andrea Probstfeld, Vorsitzende TREC-Deutschland e.V.

In der Eckmühle im Ehrbachtal, Nähe Koblenz, trafen sich am Wochenende 19./20. Juli knapp 20 Reiterinnen und Reiter aus Belgien, den Niederlanden, Hessen und Rheinland-Pfalz, um in den wildromantischen, weitgehend Natur belassenen Nebentälern der Mosel an einem TREC-Wettbewerb der Kl. A bzw. Kl. M teilzunehmen. Dieser beinhaltete einen ca. 30 km langen Orientierungsritt nach Karte und Kompass, eine Rittigkeitsprüfung und einen Hindernisparcours mit 16 natürlichen Hindernissen, deren Schwierigkeitsgrad der jeweiligen Klasse angepasst war.

Unter den Teilnehmern befanden sich neben der Präsidentin des Vereins TREC-Niederlande, Lotje Moerdijk, auch ihre deutsche Kollegin, die Vorsitzende des Vereins TREC-Deutschland, Andrea Probstfeld, sowie der Bundesvorsitzende der VFD, Hanspeter Hartmann. Was lag da näher, als neben dem sportlichen Wettbewerb auch fachliche Themen Länder übergreifend zu erörtern:

Redaktion:
Frau Moerdijk, nachdem vor etwa 5 Jahren TREC in den Niederlanden eingeführt wurde, ist in der Zwischenzeit ein regelrechter TREC-Boom in Ihrem Land zu verzeichnen. In Deutschland dagegen gibt es weiterhin nur sehr wenige Veranstaltungen mit stagnierenden Starterzahlen. Was meinen Sie, könnte der Grund für diese unterschiedliche Entwicklung sein?

Lotje Moerdijk (TREC-NL):
In den Niederlanden haben wir uns von Anfang an auf Einsteiger eingerichtet, die unsere Basis bilden sollten. Deshalb haben wir so schnell wie möglich eine niederländische Variante des internationalen Reglements hergestellt und vier Level mit unterschiedlich schwierigen Aufgaben erarbeitet. Wer TREC versuchen möchte, der weiß mit Sicherheit, welche Aufgaben er bei den Veranstaltungen zu erwarten hat. Unser großes Vorbild ist Großbritannien, wo sich TREC in wenigen Jahren zu einer sehr beliebten Sportart entwickelt hat, und sich unzählige Veranstaltungen flächendeckend über das ganze Land ziehen.
In Deutschland sieht das ganz anders aus. Obwohl es schon seit mehr als 20 Jahren hier TREC gibt, traut sich kaum ein Fremder daran teilzunehmen, weil es als zu schwierig beschrieben wird. In Deutschland gibt es nur das höchste Niveau und das ist nichts für normale Reiter. Selbst wenn parallel zu einer Sichtung ein Einsteigerritt ausgeschrieben wird, sind die Hindernisse für Einsteiger viel zu hoch. In Deutschland wird TREC nur für die Elite veranstaltet und diese bleibt unter sich. Es gibt nur ausgewählte Plätze und nur ausgewählte Reiter, also Elite.
In Belgien herrscht wegen der Teilung zwischen Flamen und Wallonen auch beim TREC eine schwierige Situation. Alle guten TREC-Reiter sind Wallonen, die anderen zählen nicht.

Andrea Probstfeld (TREC-D):
Die deutsche Situation ist ähnlich, oder gleich schwierig. Es gibt wenig gute Reiter, wenig Jugendliche und kaum Einsteiger.

Lotje Moerdijk (TREC-NL):
Die niederländische FN hatte es abgelehnt der FITE beizutreten, deshalb haben wir einen TREC-Verein-NL gegründet und sind jetzt als Verein Mitglied bei der FITE geworden. Das hat den Vorteil, dass die TREC-Gruppe ihre eigenen Belange direkt regeln kann.

Andrea Probstfeld (TREC-D):
Unsere FN ist zwar Mitglied der FITE, jedoch ist für sie ausschließlich von Interesse, welche Reiter Deutschland bei den jeweiligen Europa- bzw. Weltchampionaten vertreten sollen. Ansonsten wird TREC in Deutschland weder gefördert noch überhaupt zur Kenntnis genommen. Unser Verein hat sich deshalb zur Aufgabe gemacht, sich ganz besonders um Neueinsteiger zu kümmern und allgemein bekannt zu machen, was TREC für eine schöne Sportart ist.

Lotje Moerdijk (TREC-NL):
TREC ist viel mehr als Sport! Nicht gewinnen ist wichtig, alle sollen einen schönen Tag haben! TREC ist Freizeit, Erholung, das Zusammenspiel zwischen Mensch und Pferd, zwischen Mensch und Mensch! Freundschaft und soziale Kontakte sind wichtig, Freundschaften über die Grenzen hinaus zu knüpfen, Völkerverständigung!

Andrea Probstfeld (TREC-D):
Genau dieser Meinung sind auch wir, deshalb möchten wir möglichst vielen Reitern vermitteln, dass TREC eine Freizeitbeschäftigung sein kann, an der Pferde und Reiter gleichermaßen Freude haben können.

Hanspeter Hartmann (Vereinigung der Freizeitreiter Deutschlands):
Die VFD hat ebenfalls das Ziel, den Umgang mit dem Pferd als Partner zu fördern und zu stärken. Wir streben eine sinnvolle Freizeit mit Freunden an, die im Zusammenspiel mit den Elementen Natur, Pferd und Mensch liegt. Deshalb übernehmen wir gern die Aufgabe, einem Mitgliedsverein, wie TREC-Deutschland, hilfreich zur Seite zu stehen und zu unterstützen. Hinzu kommt, dass viele VFD-Mitglieder aufgrund ihrer reiterlichen Ausbildung und Fähigkeiten potentielle Interessenten für den TREC sind.
Parallel dazu sind wir in der VFD dabei, Partnerschaften mit anderen europäischen Ländern zu knüpfen. Hierbei kann uns die Botschaft des TREC sehr behilflich sein, den europäischen Gedanken zu pflegen. TREC sollte das Paradepferd der VFD werden, denn es ist ein Sport, der sich nicht gegen die Mitreiter, sondern gegen die Widrigkeiten in der Natur richtet. Bisher wurde TREC in Deutschland durch übergroße Anforderungen überzeichnet, dies soll sich mit dem neuen Verein TREC-Deutschland ändern. Alle drei Präsidenten sind sich darüber einig, dass die soziale Komponente des Miteinanders in der gleichen Idee grenzüberschreitend in Europa Geltung finden soll. Die VFD und TREC-Deutschland werden dafür gemeinsam antreten, die oben genannten Ziele umzusetzen. Deshalb wollen wir auch politisch den Weg über die FN suchen und hoffen auf deren Unterstützung bei der Ausarbeitung von Durchführungsbestimmungen des TREC-Reglements und Nominierungsnormen.

von links: Andrea Probstfeld, Hanspeter Hartmann, Lotje Moerdijk

23.7.08 Heidi Hertz